Leitbild

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Wozu ein Leitbild?

Das vorliegende Leitbild ist aus vielen Gesprächen in der Projektgruppe "Leitbild", den Mitarbeiterteams, des Vorstandes und des Verwaltungsrates und aus einer Befragung der Mitarbeiter der Stiftung Bethesda - St. Martin hervorgegangen und am 15. März 1999 vom Verwaltungsrat beschlossen worden. Mit ihm möchte die Stiftung darstellen, in welcher Richtung sie sich entwickeln will. Sie macht sich damit auf den Weg des gegenseitigen Austauschs über die gemeinsamen Ziele und ihre Umsetzung.

Wie stellt sich die Stiftung Bethesda - St. Martin dar?

Die Stiftung basiert auf dem christlichen Glauben. Sie ist eine kirchliche Institution mit sozialen Einrichtungen insbesondere der Behinderten- und Altenhilfe und ist eingebunden in das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland. Als solche ist sie offen für Menschen verschiedener Herkunft und Religionszugehörigkeit.

Sie hält ein Netzwerk unterschiedlichster Hilfsangebote bereit, um Menschen in Lebenskrisen aufzufangen und Schutz zu bieten.

Anschaulich im Bild gesagt: Die Stiftung Bethesda - St. Martin möchte wie ein offenes Haus sein, in dem Menschen unter einem gemeinsamen Dach und doch in vielen verschiedenen Räumen ein Zuhause finden.

Die Stiftung ist auch vergleichbar mit einem Baum, der sich organisch nach den jeweiligen Lebensbedingungen verändert, damit viel Leben in seinen Zweigen Platz hat.

Was bedeutet der Name Bethesda - St. Martin?

Mit ihrem Namen bindet sich die Stiftung ein in die christlich-biblische Tradition. Das Haus Bethesda wurde 1855 als eine Einrichtung der Inneren Mission "aus freier christlicher Liebesthätigkeit" gegründet, damit der Geist Jesu Christi, "der ein Herr der Gnade und des Erbarmens ist", darin walten solle.

Der Name der alten Kapelle St. Martin erinnert an das Engagement, mit dem sich Martin von Tour zur Zeit der frühen Kirche (316-397) in Franken (dem heutigen Frankreich) für ein Leben aus dem christlichen Glauben und in praktischer Nächstenliebe eingesetzt hat.

Der Name Bethesda bedeutet 'Haus der Barmherzigkeit' und nimmt Bezug auf eine biblische Geschichte im Evangelium des Johannes. Sie setzt einen Orientierungsrahmen für Menschenbild und Gottesverständnis und soll deshalb Ausgangspunkt für unser Leitbild sein.

Johannesevangelium Kapitel 5, Vers 2 - 9
(Einheitsübersetzung)

2 In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf hebräisch Bethesda. 3 In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. 5 Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. 6 Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden? 7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein. 8 Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! 9 Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging.

Welche Orientierung gibt uns die biblische Tradition?

Aus der Geschichte von der Heilung am Teich Bethesda entnehmen wir, wie die Bibel den Menschen als grundsätzlich begrenzt und darum bedürftig versteht. Der Unterschied zum Kranken ist nur relativ. Der Mensch sucht da seinen Ort, wo er Stärkung und Erlösung erwartet.

Die Geschichte weist in Jesus auf Gott, der allein menschliche Begrenztheit aufhebt. Ihm gegenüber lernen wir unser Menschsein neu zu begreifen.

Die biblische Geschichte zeigt:
In Jesus sieht Gott den Einzelnen an.

Für uns bedeutet das: In Jesus erleben wir, wie Gott jeden einzelnen Menschen ernst nimmt und nach ihm fragt. So empfängt jedes menschliche Leben die unantastbare Würde als einzigartige Person.

Was bedeutet für uns die Beachtung dieser Würde des Menschen?

Der Wert eines Menschen ergibt sich nicht daraus, was er für andere an Gewinn und Bestätigung bringt. Dann müssten Versagen oder Tod die Vernichtung dieses Wertes bedeuten.

Der Wert jedes Menschen bleibt wahr und deshalb unantastbar, weil er jenseits von uns Menschen seinen Grund hat. Gott hat in Jesus über uns sein Urteil gesprochen: Er hält seine Wertschätzung von uns Menschen durch bis in den Tod am Kreuz. Auch in seinem tiefsten Scheitern hat er den Menschen angenommen.

Das äußert sich in dem Respekt vor dem Einzelnen, seinem Wollen und Bedürfen. Und es führt zu dem Bestreben, jedem einen möglichst großen Freiraum zur persönlichen Entfaltung und Eigenverantwortung zu erschließen, auch wenn Behinderung oder Alter das erschweren.

Deshalb wollen wir keine Unterschiede machen und jeden Menschen vorbehaltlos annehmen.

Die biblische Geschichte zeigt:
In Jesus nimmt Gott uns Menschen wahr.

Für uns bedeutet das: Gott wendet sich uns Menschen in unserer Schwachheit zu. In der Beziehung zu ihm bleibt jeder Mensch als besondere Persönlichkeit auch über seinen Tod hinaus aufgehoben. Das Vertrauen darauf macht uns frei, uns in unserer Menschlichkeit anzunehmen und so für andere da zu sein.

Was machen wir uns darum zur Aufgabe?

Die Stiftung Bethesda - St. Martin bietet Menschen in schwierigen Lebenslagen und alten Menschen Hilfen zum Wohnen, Arbeiten und zur Lebensgestaltung, zur Pflege und Versorgung, zur Behandlung und Beratung an.

Sie ermöglicht den betreuten Menschen Kontakt und Gemeinschaft.

Ziel unserer Arbeit ist die Hilfe zur Selbsthilfe, die Förderung der persönlichen Entwicklung und die Eröffnung von Zukunftsperspektiven. Dabei möchten wir Gesundheit fördern, Leid lindern, Schmerzen und seelische Not so weit wie möglich verhüten und würdige Bedingungen für die Zeit des Lebens und des Sterbens schaffen.

Uns liegt daran, den ganzen Menschen in seiner Individualität mit seinen physischen, psychischen, religiösen und sozialen Bedürfnissen im Blick zu haben und zu helfen, daß er seine Identität leben und sich selbst bestimmen kann. Wir versuchen ihn in seinen Äußerungen und seinem Verhalten auf dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte und gegenwärtigen Situation wahrzunehmen und zu verstehen.

Wir wollen unsere Bewohner und Betreuten begleiten und unterstützen, wenn sich ihre Beziehungen durch die Zeit der Erkrankung oder Behinderung verändern und neu überdacht werden müssen. Wir möchten gute Kontakte und Kooperationsbeziehungen zum Umfeld unserer Betreuten pflegen und unsere Einrichtungen nach außen öffnen. Wir suchen nach Antworten auf neue Fragen in der sozialen Hilfe.

Die biblische Geschichte zeigt:
In Jesus fragt Gott nach dem Willen des Menschen.

Für uns bedeutet das: Im Gegenüber zu Gott begreifen wir uns als Lebewesen, die sich frei zu anderen und sich selbst verhalten können. Wir tragen Verantwortung gegenüber den anderen, auch wenn wir ihr längst nicht immer gerecht werden.

Wie möchten wir deshalb miteinander umgehen?

Wir verstehen uns als eine Dienstgemeinschaft und wollen uns im gegenseitigen Geben und Nehmen in der täglichen Arbeit unterstützen. Uns liegt daran, daß wir in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit loyal zueinander stehen. Für Klima und Zusammenarbeit in der Stiftung trägt jeder gleichermaßen Verantwortung. Dabei fällt Leitungskräften eine besondere Aufgabe zu. Die Mitarbeiter haben einen Anspruch darauf, von ihnen angeleitet und unterstützt zu werden. Leiten heißt unter anderem auch Vorbild sein.

Wir wollen uns gegenseitig in unseren Stärken anerkennen und uns in unserem Anderssein und in unseren Schwächen akzeptieren. Wir achten die Kompetenz eines jeden Mitarbeiters und jeder Mitarbeiterin und erwarten, dass das entgegengebrachte Vertrauen nicht ausgenutzt wird. Mängel, die auf Dauer nicht tragbar sind, wollen wir offen, zeitnah und sachbezogen in dem Bewusstsein ansprechen, dass wir alle durch Fehler lernen. Kritik dient nicht der Schuldzuweisung, sondern der Qualitätsverbesserung. Der gegenseitige Respekt soll bei geäußerter Kritik gewahrt bleiben.

In unterschiedlichem Denken und Handeln erkennen wir auch eine Chance, Einseitigkeit und vorschnelle Vereinfachung zu vermeiden. Wir haben die Bereitschaft und den Mut, neue Ideen zu entwickeln und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Wo Menschen zusammenarbeiten, entstehen Konflikte. Wir möchten sie gerne in einer Atmosphäre der Offenheit ansprechen, weil wir wissen: Wenn uns die Ursachen unserer Konflikte bewusst werden, findet sich leichter ein gemeinsamer Weg zu einer sachlichen Lösung. Dabei kann die Mitarbeitervertretung eine wichtige Hilfe sein.

Durch aktive gegenseitige Information zwischen den Arbeitsbereichen und Hierarchieebenen wollen wir Vertrauen und Transparenz in der Zusammenarbeit schaffen. Uns ist wichtig, dass die Informationen weitergegeben werden, die für den anderen bei seinen Entscheidungen und in seiner Arbeit relevant sind.

Die biblische Geschichte zeigt:
Ständiges Klagen über Entsolidarisierung lähmt. In Jesus beauftragt uns Gott: "steh auf, nimm dein Bett und geh".

Für uns ist das ein Hinweis: Gott erlöst Menschen durch seine Zuwendung in Jesus von sinnlosem Lamentieren über die schlimmen Zustände. Er befreit uns, aufzustehen und uns auf seinen Weg zu machen. Auf diese Weise befähigt er uns, es ihm gleich zu tun und Menschen, die unsere Hilfe brauchen, an den Ort ihrer Genesung zu bringen. So freuen wir uns auf Menschen, die sich von der Solidarität Gottes anstiften lassen und machen uns mit ihnen auf den Weg.

Wie soll also unsere Arbeit sein?

Wir möchten uns persönlich bei der Arbeit für unsere Betreuten engagieren. Wir freuen uns, in unserer Arbeit Bestätigung zu finden.

Jedem Mitarbeiter soll in seinem Aufgabengebiet eine größtmögliche Selbständigkeit zugestanden werden. Dazu ist es nötig, dass er eindeutig weiß, welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten er hat und was er entscheiden kann.
Die Bedingungen eines Arbeitsplatzes sollen so gestalten sein, dass die geforderte Arbeit in der zur Verfügung stehenden Zeit auch leistbar ist.

Wir leisten unsere Arbeit professionell unter Einbeziehung der anerkannt gültigen Fachkenntnisse. Sie richtet sich nach den aktuellen Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Durch gezielte Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sichern wir den Fortbestand unserer Fachlichkeit.

Zur Sicherung des Bestandes der Einrichtung sind wir auf wirtschaftliches Denken und Arbeiten angewiesen. Umwelt, Material und Hilfsmittel sollen pfleglich und schonend behandelt werden.

Unsere Arbeit orientiert sich am Prozess und am Ergebnis. Die gemeinsamen Ziele werden fortlaufend neu entwickelt und an den Arbeitsergebnissen überprüft. Dadurch erreichen wir die nötige flexible Anpassung an die sich ständig verändernden Aufgaben.

Gemäß unseren jeweiligen Qualitätsrichtlinien begegnen wir neuen Herausforderungen kreativ und innovativ. Die Umsetzung neuer Ideen und eine verbesserte Problemlösung sind Voraussetzung für den Erfolg.

Wir sind uns bewusst, dass bei all unserem Bemühen das Gelingen nicht allein in unserer Hand liegt.

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