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Rhein-Zeitung, Ausgabe Koblenz, 09.10.2006

Fotos zeigen "normale" Kranke

Ausstellung "Diagnose: Mensch" im Haus an der Christuskirche eröffnet

KOBLENZ. Der Psychiatrie ein Gesicht geben - das ist das Ziel einer Foto-Ausstellung, die zum 25. Jubiläum im "Haus an der Christuskirche" eröffnet wurde. Und die zu einer kleinen Feierstunde geladenen Gäste, unter ihnen auch Bürgermeister Dieter Muscheid, staunten nicht schlecht über die stolzen Akteure, die Menschen, deren Blick in die Kamera so unverstellt und zugleich eindringlich wirkt.

Der Betrachter ertappt sich zunächst mit Vorurteilen behaftet und blickt doch nur erstaunt in einen Spiegel, entdeckt sich selbst optisch wieder. Denn die Frauen und Männer auf den imposanten Schwarz-Weiß-Porträts, so unterschiedlich sie auch aussehen und sein mögen, wirken "einfach nur" normal. Man sieht Personen und Persönlichkeiten, keine Patienten. "Wir wollten schöne Menschen, wir wollten Stars", formulieren es die Fotografen Manon von Ikier-Hoppe und Eckhardt W. Dietrich. Heraus kam die erfolgreiche Wanderausstellung "Diagnose: Mensch".

Als Ralf Schulze, Leiter des "Hauses an der Christuskirche", davon erfuhr, war er sofort Feuer und Flamme: Die Fotoausstellung musste her, und zwar pünktlich zur Jubiläumsfeier. Das von der Stiftung Bethesda-St. Martin getragene Haus ist, obwohl im Zentrum von Koblenz gelegen, den meisten Bewohnern der Stadt kein Begriff. Dabei werden in der diakonischen Einrichtung, die zunächst nur als Übergangsort zur Enthospitalisierung gedacht war, seit nunmehr 25 Jahren psychisch kranke Menschen untergebracht, behandelt und - wenn möglich - auf einen Umzug in eine selbstständigere Wohnform vorbereitet.

Menschen wie beispielsweise die junge Katharina, die so nett vom Foto herunterlächelt. Vom Stiefvater misshandelt und sexuell missbraucht, kommt sie mit elf Jahren in ein Heim. Es folgen erneute sexuelle Übergriffe, erste Erfahrungen mit Drogen, immer wieder aggressive Ausbrüche und Selbstmordabsichten. Diagnose: emotional instabile Persönlichkeitsstörung, "Borderline". Heute, nach einer erfolgreichen Therapie in einer Westfälischen Klinik, führt sie ein eigenständiges Leben und arbeitet auf ihren Traumberuf Sozialhelferin hin.

Alle Menschen auf den Fotos sind einen eher durchschnittlichen Lebensweg gegangen, bis sie plötzlich durch ein Ereignis erschüttert wurden. Letztlich ist es nur eine Gratwanderung, ob jemand zum Betroffenen wird oder ob er es auch ohne fremde Hilfe schafft. Solche Hilfe bietet das "Haus an der Christuskirche" - seit einem Vierteljahrhundert mit großem Erfolg.

Die unter der Schirmherrschaft des Koblenzer Oberbürgermeisters Dr. Eberhard Schulte-Wissermann stehende Ausstellung ist noch bis Ende Oktober zugänglich, der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 12 bis 18 Uhr. Gruppen und Schulklassen steht auf Wunsch ein fachkundiger Mitarbeiter zur Verfügung.

Stephanie Dümig

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