Pressespiegel

Logo

Rhein-Zeitung, Neuwied, 23.10.2006

Ein ganzes Jahrhundert erlebt

Ruth Gorges feierte im Altenheim der Marktkirche ihren 100. Geburtstag

NEUWIED. "Man müsste noch mal 20 sein und die Leichtigkeit und Unbeschwertheit der Jugend besitzen." Dieser Satz stammt von Ruth Gorges, die gestern ihren 100. Geburtstag im Altenheim der Marktkirchengemeinde in Neuwied feierte. "Wir wachsen mit dem Alter an unseren Herausforderungen, und mit 100 ist alles gar nicht mehr so flexibel und unbeschwert." Die Jubilarin weiß, wovon sie spricht, musste sie in ihrem Leben doch eine ganze Zahl von Schicksalsschlägen verkraften.

Geboren wurde Ruth Gorges am 22. Oktober 1906 in Bromberg/Posen. In ihrem zehnten Lebensjahr zog die Familie, zu der neben den Eltern noch sechs Geschwister zählten, nach Ragnit in Ostpreußen. Dort erlernte sie den Beruf der Verkäuferin. 1938 heiratete sie. Nach der Geburt ihres einzigen Sohnes stellte ihr das Leben große Herausforderungen, die sie mit Stärke meisterte und die sie zu dem formten, was sie heute noch ist: eine selbstbewusste Frau mit einem gewissen Etwas. "Wir nennen sie im Haus ,unsere kleine Prinzessin'", sagt Heim- und Pflegedienstleiter Damir Sadic. Eine Bezeichnung, die der zierlichen Frau durchaus gerecht wird. Besitzt sie doch eine ganz besondere Ausstrahlung, die ihre Gesprächspartner in ihren Bann zieht.

Die Flucht aus der Heimat Ostpreußen, ein neuer Anfang in Koblenz-Arenberg mit einem neuen Mann an ihrer Seite, der frühe Tod des einzigen Kindes: In Gesprächsrunden weiß sie auf die ihr eigene Art viel zu erzählen. Das spürten auch die Gratulanten, die zu ihrem Ehrentag gekommen waren. Mehrmals gelang es ihr mühelos, Oberbürgermeister Nikolaus Roth, die Heim- und Pflegedienstleitung des Hauses, den Heimbeirat und die Mitarbeiterinnen der sozialen Betreuung zum Lachen zu bringen.

Andrea Fehr

< zurück