Pressespiegel

Logo

Rhein-Hunsrück-Zeitung, 11.11.2006

Nach langer Pause im Job Fuß gefasst

Das Bopparder Integrationsunternehmen "Best" hat in vier Jahren 23 schwerbehinderte Langzeitarbeitslose erfolgreich für den Beruf qualifiziert

Jobs, Jobs, Jobs - der Ruf nach Arbeit erschallt seit Jahrzehnten durch die Republik. Doch viel zu oft verhallt er ungehört. Vor allem Menschen, die in ihrem Leistungsvermögen beeinträchtigt sind, bleiben auf der Strecke. Ihnen widmet sich das Integrationsunternehmen "Best" der Stiftung Bethesda-St. Martin mit Sitz in Boppard.

BOPPARD. 23 Menschen, die aufgrund von Krankheit oder psychischer Beeinträchtigung auf dem regulären Arbeitsmarkt chancenlos waren, hat die Bopparder Firma Best zu Lohn und Brot verholfen. "Arbeit und Qualifizierung für Schwerbehinderte" (AQS) hieß das Instrumentarium. Über vier Jahre hat das Integrationsunternehmen der Stiftung Bethesda-St. Martin mit einem praxisorientierten Konzept 23 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Gefördert wird das Ganze vom Europäischen Sozialfonds, der Agentur für Arbeit, dem Fonds der evangelischen Landeskirche zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und dem Land Rheinland-Pfalz.

Pro Jahr nahmen zwischen neun und elf Schwerbehinderte, die von der Arbeitsverwaltung als schwer vermittelbar eingestuft wurden, an der Trainingsmaßnahme teil. "Best" hat sie jeweils aus 25 bis 30 Bewerbern ausgewählt.

Nicht alle schafften den Sprung in die reguläre Arbeitswelt. Von 41 Personen, die bei vier AQS-Maßnahmen mitmachten, haben acht vorzeitig das Handtuch geworfen. Bei fünf Personen stellte es sich heraus, dass sie in einer Werkstatt für Behinderte besser aufgehoben sind. Zwei haben nach erfolgreicher Beendigung des Qualifizierungsjahres das Stellenangebot nicht angenommen und weitere drei Personen blieben arbeitslos.

Alle Beteiligten betrachten AQS als großen Erfolg: 82 Prozent der Absolventen nahmen ein unbefristetes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf. Auch die kürzlich endende letzte AQS-Maßnahme war von Erfolg gekrönt. Von elf Teilnehmern gehen acht einer regulären Beschäftigung in einem der zahlreichen Betriebs-zweige der Stiftung Bethesda nach. Die AQS-Absolventen arbeiten im Kiosk, an der Tankstelle, im Garten- und Landschaftsbau, in der Tischlerei oder in Verwaltung und Hauswirtschaft.

Erfolgreiche Teilnehmerin war auch Alexandra Volk aus Spay. Die 35-Jährige hat sich in ihrem erlernten Beruf als Hauswirtschaftshelferin weiter qualifiziert und arbeit jetzt im Altenzentrum Haus Elisabeth in Boppard, dessen Träger die Stiftung Bethesda ist. Am 21. November erhält sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Ihre Chefin Andrea Brinkmann-Seeck hat mit der Qualifizierung der neuen Mitarbeiterin Neuland betreten. "Wie kann ich einen zusätzlichen Arbeitsplatz schaffen, der wichtig und nützlich ist." Diese Frage stellte sich für die Hauswirtschaftsleiterin. Immerhin musste sie Alexandra Volk in ein Team von 30 Mitarbeiterinnen integrieren. Es ist gelungen. Andrea Brinkmann-Seeck möchte die neue Kraft nicht mehr missen.

Für die 35-jährige Spayerin ist der feste Arbeitsplatz in Boppard ein Glücksfall. "Ich fühle mich sehr wohl hier." Bedingt durch Krankheit und persönliche Rückschläge wurde sie immer wieder arbeitslos. Seit dem 20. November 2005, als sie das AQS-Training aufnahm, ist sie wie ausgewechselt.

Das bestätigt auch Andrea Kirchner, Betriebssozialarbeiterin der Firma Best. Von Anfang an betreut sie die AQS-Teilnehmer. Den Teilnehmern wird ein Arbeitsplatz angeboten, der ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht. So war es auch bei Alexandra Volk. In der Hauswirtschaft kann sie beweisen, dass sie etwas leisten kann. In der unmittelbaren Orientierung auf die berufliche Praxis liegt für Andrea Kirchner das Geheimnis des Erfolges der Qualifizierung. "Auch nach teilweise langen Zeiten der Arbeitslosigkeit kann so die Motivation zur Arbeit geweckt werden. Dabei werden immer wieder erstaunliche Ressourcen freigelegt."

AQS ist jetzt zu Ende. Am 1. Januar beginnt bei der Firma Best TQS - "Training und Qualifikation". Unter 30 Hartz-IV-Empfängern, die von den Argen Koblenz und Rhein-Hunsrück als für die Qualifizierung geeignet angesehen werden, wählt die Firma Best acht Personen aus.

Wolfgang Wendling

< zurück