Rhein-Hunsrück-Zeitung,
23.11.2006
Integration gibt's am Kiosk
Die Bopparder Stiftung Bethesda-St. Martin gewinnt den
"Best-Practice-Wettbewerb 2006"
Psychisch behinderten Menschen eine berufliche Identität zu vermitteln ist Ziel der Rheinwerkstatt in Boppard. Sie wurde jetzt für das seit 2001 bestehende Projekt "Kioskbeschäftigung" mit dem ersten Preis im "Best-Practice-Wettbewerb 2006" des Vereines zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz in der Rheinhessen-Fachklinik Alzey ausgezeichnet.
BOPPARD. Seit fünf Jahren organisiert die Bopparder Rheinwerkstatt als anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) Beschäftigung in eigenen Kioskbetrieben in der Koblenzer Innenstadt. Sie kann damit der Nachfrage nach Arbeitsplätzen außerhalb der zentralen Werkstatt Rechnung tragen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Integration psychisch kranker Menschen in die Gesellschaft leisten. Gleichzeitig ist die Kioskbeschäftigung zentraler Baustein im gemeindenahen Betreuungs- und Versorgungskonzept der Stiftung Bethesda-St. Martin.
Der überwiegende Teil der Kioskmitarbeiter hat sich bewusst für diesen speziellen Arbeitsplatz beworben. "Viele haben nach langer Arbeitslosigkeit und häufigen Krankheitsphasen eine zufriedenstellende Tätigkeit gefunden, die sie psychisch stabiler macht und damit ihre Lebensqualität erhöht", erläutert Wilfried Fett, Leiter der Rheinwerkstatt.
"Gelebte Gemeindenähe"
Der Einsatz in den Kiosken bedeutet für die Mitarbeiter gelebte Gemeindenähe und selbstständiger Umgang mit Kunden. Alle vier Kioske befinden sich in der Koblenzer Innenstadt. Die Beschäftigten kommen aus dem Koblenzer Umland mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Sie müssen sich auf unterschiedliche Kundengruppen einstellen und erleben ihre Arbeit in vielfältigsten Situationen. Das stärkt das Selbstwertgefühl. Gleichzeitig werden Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit oder Kommunikationsfähigkeit gefördert. Natürlich kommt auch der kaufmännische Bereich nicht zu kurz.
Unterstützung erhalten die Mitarbeiter von einem Betreuerteam und der zentralen Steuerung durch Agnes Sauer. In ihrem Bopparder Büro laufen alle Fäden der Kiosk-betriebe zusammen. "Wir freuen uns, dass die Mitarbeiter auf ihrem selbst gewählten Arbeitsplatz mittendrin im Leben eine berufliche Identität gefunden haben", so Agnes Sauer vom Begleitenden Dienst. "Wir sind stolz auf die Auszeichnung". Das gewonnene Preisgeld in Höhe von 5000 Euro soll der gemeindenahen Arbeit der Einrichtung zugute kommen.
Die ausgedehnten Öffnungszeiten der einzelnen Betriebe tragen flexiblen Arbeitszeitwünschen Rechnung. Frühaufsteher können früh mit der Arbeit anfangen, Langschläfer beginnen ihren Schichtdienst später. Die Arbeit in den Kiosken ist körperlich leicht, fordert und fördert die Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitarbeiter. Die Fachmitarbeiter der Rheinwerkstatt stellen den Arbeitsablauf sicher, Krisen können schnell und sicher behoben werden.
25 Bewerbungen gingen ein
Neben der Bopparder Rheinwerkstatt gab es 25 weitere Bewerber, die auf allen Ebenen ideenreiche und fantasievolle Projekte geschaffen haben. "Die Ausschreibung des Vereins zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz hat gezeigt, dass viele Projekte eine Hervorhebung ihrer Arbeit verdient haben," so der Vorsitzende Dr. Richard Auernheimer bei der Preisverleihung durch die Kuratoriumsvorsitzende Roswitha Beck. Die Fachjury war einstimmig überzeugt vom Konzept der Bopparder. Platz zwei erreichte die Gesellschaft für psychosoziale Dienste aus Mainz mit dem Projekt "Beratungscafé". Sie gewann 3000 Euro Preisgeld. Den dritten Platz belegte ein weiterer mittelrheinischer Betrieb: die Außenwohngruppe "Maßregelvollzugspatienten" der Klinik "Nettegut" in Andernach, die mit einem Preisgeld von 2000 Euro für ihre Ideen belohnt wurde.
Suzanne Breitbach
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