Pressespiegel

Logo

Kirner-Zeitung, 24.04.2007

Arbeit und Selbstvertrauen vermitteln

Der Integrationsfachdienst berät und unterstützt Menschen mit Behinderungen bei der Arbeitssuche - Kleine und mittelständische Betriebe bieten Jobs

Menschen mit Behinderungen sind in der Arbeitswelt oft benachteiligt. Der Integrationsfachdienst (IFD) der Stiftung Bethesda St. Martin berät und unterstützt anerkannte schwerbehinderte sowie gesundheitlich eingeschränkte oder psychisch erkrankte Menschen und vermittelt sie auf dem ersten Arbeitsmarkt.

BAD KREUZNACH. Seit 1. Januar hat der Integrationsfachdienst IFD in den Räumen der Akademie der "kreuznacher diakonie" eine Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen. Denn für sie ist es besonders schwierig, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden.

Die Sozialpädagoginnen Claudia Müller und Annette Liolios betreuen die Klientel in der Stadt. Für den Kreis gibt es einen Integrationsfachdienst im DGB-Haus in der Salinenstraße. 567 als arbeitslos gemeldete behinderte Menschen gibt es im Bezirk der Bad Kreuznacher Agentur für Arbeit (ohne Arge).

Zu den Angeboten gehören sowohl Hilfen bei der Feststellung der persönlichen Leistungsfähigkeit, bei der Bewerbung und bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Dabei begleiten die Pädagoginnen ihre Klienten auch schon einmal beim Vorstellungsgespräch und betreuen sie während der Probezeit und der Einarbeitungsphase weiter. Bei Bedarf kommen sie auch ins Haus.

Die Beratungsstelle ist aber auch ein Ansprechpartner für den Arbeitgeber. "Wir beraten Firmen zum Beispiel über Zuschüsse, den Betreuungsbedarf oder bei der behindertengerechten Ausstattung des Arbeitsplatzes", erklärt Annette Liolios. Die Erfahrungen, die sie und ihre Kollegin dabei gemacht haben, sind aber durchaus unterschiedlich: Sie reichen von Firmen, mit denen es überhaupt keine Probleme gibt, bis hin zu Arbeitgebern, die gleich abwinken. Noch immer bestehen auch Vorurteile, dass behinderte und beeinträchtigte Menschen weniger leistungsfähig oder öfter krank sind, oder es gibt die Befürchtung, sie wegen ihres besonderen Kündigungsschutzes "nicht mehr loszuwerden".

Viele Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen finden sich in kleinen und mittelständischen Betrieben. Oft sind es Jobs im Büro- oder gewerblichen Bereich. Aber auch in großen Betrieben gibt es inzwischen spezielle Abteilungen, in denen behinderte Menschen einen Arbeitsplatz finden. Eine Aufgabe der beiden Beraterinnen ist es, "Nischen zu finden", um Arbeitsplätze für behinderte Menschen zu schaffen.

Menschen mit Behinderungen haben häufig auch Probleme, auf einen Arbeitgeber zuzugehen. Oft mangelt es an Selbstbewusstsein. Zu den Aufgaben des IFD gehört deshalb auch die "Psycho-Hygiene", wie es Claudia Müller nennt. In persönlichen Beratungsgesprächen wird versucht, die Betroffenen aufzubauen, ihnen mehr Selbstbewusstsein für die Arbeitswelt mit auf den Weg zu geben. Gerade bei Menschen, die erst später, etwa nach einem Unfall, mit Beeinträchtigen leben müssen, ist diese Anlaufphase oft lang und kostet viel Zeit, bis sie lernen, ihre Behinderung zu akzeptiere, erläutert Annette Liolios.

Der IFD arbeitet eng mit sogenannten Integrationsbetrieben zusammen. Davon gibt es in Bad Kreuznach auffällig viele, hat Annette Liolios festgestellt. Sie findet diese Entwicklung sehr positiv. Denn die Betriebe haben sich verpflichtet, zwischen 20 und 25 Prozent schwerbehinderte Menschen zu beschäftigten. Und es sind Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt. (hg)

< zurück