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Rhein-Hunsrück-Zeitung, 20.06.2007

Das Volk von Boppard nahm Gartenanlage in seinen Besitz

Staatssekretär und Bürgermeister mit den Märkter Nachbarn im Bunde

BOPPARD. Das historische Boppard atmete am Montag Historie - und das in mehrfacher Hinsicht: Der Marienberger Park wurde an der Orgelbornskirmes der Bopparder Bevölkerung übergeben. Damit bot das geschichts-trächtigste Bopparder Fest den Rahmen für ein wahrhaft historisches Ereignis.

Ins Jahr 1420 reichen die Wurzeln der Orgelbornskirmes zurück. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Gartenanlage am Kloster Marienberg entstanden. Während die Kirmes auf der Orgelbornwiese im Eingangsbereich des Parkes durch all die Jahrhunderte Jahr für Jahr nach fester Überlieferung gefeiert wurde, ist der Park in den vergangenene Jahrzehnten in einen tiefen Dornröschenschlaf gefallen.

Ein revolutionärer Akt

Erst zu Beginn des Jahres setzte die Renaissance des unter Denkmalschutz stehenden Landschaftsgartens ein. Am Montag verkündete Bürgermeister Walter Bersch die Vollendung der ersten Phase der Erneuerung des Parkes und übergab ihn den Bürgern. Das war fast schon ein revolutionäres Ereignis: Denn noch niemals zuvor in der Bopparder Geschichte war der Marienberger Park eine öffentliche Anlage. "In den vergangenen Jahrhunderten war der Park nur einmal im Jahr der Öffentlichkeit zugänglich - aber nur den Märkter Nachbarschaften", blickte Nachbarmeister Michael Frauenberger in die Historie zurück.

Der öffentlich zugängliche Park lässt den Ortsbezirk Boppard enger zusammenrücken. Er ist das Bindeglied zwischen der Kernstadt und Buchenau, machte Bersch deutlich.

Seit seiner Entstehung um 1850 hatte die Anlage in seiner architektonischen Gestaltung eine überörtliche Bedeutung. So wird es auch künftig sein. Der 3,3 Hektar große Marienberger Park hat die besten Aussichten, als einer der herausragenden "romantischen Gärten" das Welterbetal zu bereichern. Bürgermeister Bersch hob die großen Anstrengungen aller Beteiligten bei der Rekultivierung des Parks hervor. Seit 1. April wird mit Eifer gearbeitet. Die Arge Rhein-Hunsrück hat 15 Arbeitsgelegenheiten geschaffen. Projektträger ist das Integrationsunternehmen Best der Stiftung Bethesda.

Die Feierlaune etwas getrübt wurde durch die Absicht der Eigentümerin, das Kloster Marienberg abzureißen. Der Bürgermeister spielte die Angelegenheit herunter. "Ich gehe davon aus, dass das Objekt erhalten bleibt."

Abbruchantrag trübte Feier

Der Ehrengast bei der Orgelbornskirmes, Joachim Hofmann-Göttig, Beauftragter der Landesregierung für die Welterbestätten, erinnerte daran, dass beim Anerkennungsverfahren des Mittelrheintales als Unesco-Welterbe das Kloster Marienberg ausdrücklich zur Sprache kam. "Der Erhalt des Denkmals ist von großer Bedeutung", sagte der Staatssekretär. Der direkt am Rhein-Burgen-Wanderweg gelegene Marienberger Park fördere den "langsamen Tourismus". Dass die Gäste immer länger im Welterbetal verweilen und nicht mehr schnell durcheilen - das gelinge fünf Jahre nach der Unesco-Anerkennung immer besser, und dafür sei Boppard ein gutes Beispiel, meinte der Bopparder Ehrenwinzer. Wolfgang Wendling

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