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Rhein-Zeitung, Koblenz
Mitte, 21.06.2007 Politik: Koblenzer Kioske erhalten
Pläne der Wirtschaftsförderung lösen Welle der Empörung aus - CDU will Stände retten - Jobs von Behinderten gefährdet
Relikt der Nachkriegszeit oder erste Anlaufstelle für Touristen: Mit seinen Plänen, die Kioske aus Koblenz zu verbannen, hat das Amt für Wirtschaftsförderung eine Welle der Empörung ausgelöst. Jetzt macht sich die Politik nicht nur für den Erhalt der Verkaufsstände stark: Sie will mehr.
KOBLENZ. Die Zukunft der Koblenzer Kioske scheint gesichert: Die CDU-Fraktion hat mit einem Antrag zur kommenden Ratssitzung auf die Pläne des Amts für Wirtschaftsförderung reagiert, die Verkaufsstände nach und nach aus dem Stadtbild zu verbannen. Mit ihrem Vorstoß will die Union nicht nur den Fortbestand der Stände beschließen, sondern sogar ein Konzept für die Neuansiedlung weiterer erarbeiten lassen. Ein Antrag, der die Zustimmung der SPD findet und daher mit einer breiten Mehrheit im Rat rechnen darf.
Im Gespräch mit der RZ hatte Jürgen Czielinski, Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, angekündigt, dass zunächst der Großteil der Kioske am Konrad-Adenauer-Ufer im Rahmen der Buga-Neugestaltung verschwinden sollte. Der Kiosk sei "ein Relikt der Nachkriegszeit".
Die Pläne der Wirtschaftsförderung haben eine Welle der Empörung ausgelöst: Während zahllose Leserbriefe die Redaktion erreichten, reagierte auch die Politik mit Unverständnis und Gegenwehr. "Die Kioske haben eine wichtige Funktion, und die muss man anerkennen", begründet Hans-Jörg Assenmacher, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU, den Antrag seiner Fraktion. "Der Kiosk gehört ins Stadtbild", meint auch Fraktionschefin Anne Schumann-Dreyer.
"Der Stadtrat wünscht auch zukünftig Kiosk-Verkaufsstellen in Koblenz", heißt es im Antrag wörtlich. Dabei ist auch Assenmacher klar, dass eine Neugestaltung nötig wird. Aber: "Es gibt auch andere Kiosk-Container, man muss sich nur darum kümmern." Und dann könnten zusätzliche Kioske sogar eine Lücke schließen - gerade in Stadtteilen, in denen sich die Ansiedlung neuer Geschäfte sehr schwierig gestaltet.
"Den Antrag kann man nur unterstützen", bekräftigt Jürgen Zahren, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD. Allerdings entspreche dieser eigentlich auch der Beschlusslage. Es sei zwar bei der Buga-Planung eine Neugestaltung mit einem zentralen Bau am Rheinufer überlegt worden. Eine Abschaffung der Kioske aber nicht - schon gar nicht stadtweit. Zahren: "Sie zu verbannen, das kann es nicht sein." In attraktiver Form könne er sich auch neue Kioske vorstellen: in der Schlossstraße beispielsweise.
Durch die Pläne der Wirtschaftsförderung droht im Übrigen auch Behinderten das berufliche Aus, die in einigen Kiosken eine neue Karriere beginnen konnten. So wird der von Czielinski bereits ins Visier genommene Kiosk in der Zentralplatzunterführung von Best betrieben, dem Integrationsunternehmen der Stiftung Bethesda-St. Martin. Mehrere psychisch Kranke arbeiten dort. "Sie werden sonst nie eine Stelle finden", ist Monika Klein, Betriebsleiterin Verkauf bei Best, überzeugt. "Die Buga als Jobkiller für Behinderte? Eigentlich undenkbar", zeigt sich Christoph Jung vom Fachdienst für Arbeit und Integration der Stiftung schockiert. Und doch fürchtet man um eine ganze Reihe von Stellen für Behinderte: Außenarbeitsplätze der Rheinwerkstatt etwa in den Kiosken auf dem Plan und in der Hohenzollernstraße, wie Andreas Kupp von Bethesda-St. Martin betont. Sein Resümee: "Abwegig."
Zumal das Kiosk-Projekt der Stiftung noch im vergangenen Jahr vom Verein zur Unterstützung gemeindenaher Psychiatrie ausgezeichnet wurde. Kuratoriumsvorsitzende des Vereins: Roswitha Beck, Ehefrau des Ministerpräsidenten.
Ingo Schneider
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