Rhein-Hunsrück-Zeitung,
26.06.2007Komödie spielte vor toller Kulisse
Bopparder Burgtheater nutzte dreistöckiges Gerüst im Klostergarten - Stück über italienische Verhältnisse begeisterte Publikum
Auf der Bühne schien die Sonne: Trotz Wolkenbruchs boten die Schauspieler des Burgtheaters eine super Premiere. Auch das Publikum ließ sich in den Bann der turbulenten Geschichte ziehen und vom Regen nicht vertreiben.
BOPPARD. Eine glanzvolle Premiere feierte das Ensemble des Bopparder Burgtheaters am Freitagabend mit der Komödie "Il Campiello oder die Jagd nach Liebe und Glück". Das Stück stammt im Original von Peter Turrini und wurde nach einer Bearbeitung von Carlo Goldoni im Klosterhof der Stiftung Bethesda "St. Martin" aufgeführt. Damit hatte sich Peter Bock, der für die gesamte Inszenierung verantwortlich zeichnete, an eine äußerst aufwendige Bühnenproduktion herangewagt und beim Premierenpublikum voll ins Schwarze getroffen. Das Theaterspektakel war zu einem Gesamtkunstwerk geraten.
Dabei gestaltete sich zunächst die Planung äußerst schwierig, denn der Burghof, der immer schon fester Bestandteil und Namensgeber des Theaters war, stand unerwartet nicht zur Verfügung. Nach langer Suche entdeckten die Theaterleute den Innenhof des ehemaligen Klosters St. Martin, der allen auf Anhieb gefiel. Peter Bock richtete bei der Premiere in diesem Zusammenhang einen großen Dank an die Hausleitung von "St. Martin". Der wunderschöne Innenhof des alten Klostergutes eignet sich hervorragend als Kulisse für das Lustspiel, das auf der Piazza Campiello in der Lagunenstadt Venedig zur Zeit der Dogen seinen Schauplatz hat.
Gespielt wird nicht nur auf einer horizontalen Bühne, sondern auf einem dreistöckigen Gerüst, das den Zuschauern die Fassade eines alten Palazzo vorgaukelt. Das muntere Treiben um Liebe und Lebenslust, um Jugend und Alter, um Leid, Missgunst und Eifersucht, um Ängste und Träume fand hier eine tolle Umrahmung. Der "Jahrmarkt der Eitelkeiten" hatte seine Bühne.
Die Einwohner sind arm und träumen von der Liebe und von einem besseren Leben, die Tage gleichen einander. Doch schnell ist die Beschaulichkeit dahin. Die eintönige, alles lähmende Ruhe wird jäh zerstört, denn plötzlich taucht ein Fremder wie aus dem Nichts auf. Er wird zum Mittelpunkt von Intrigen und Spekulationen. Er ist für alle ein Geschenk des Himmels. Von ihm, dem Cavaliere, einem höfischen Herrn von altem Adel, erhofft sich jeder etwas - als Kunde, Spender oder Ehegatte - alle buhlen um seine Gunst. Das alternde Flittchen Catte und die fast heilige Pasqua wittern die letzte Chance auf Liebesglück. Aber auch die Schönheit Gasparina, eine göttliche Diva mit Hang zu Höherem, kann sich seinem werbenden Charme nicht entziehen. Selbst Orsola mit ihren verbrannten Palatschinken erhofft sich ein Geschäft. Doch damit nicht genug, auch die Kinder müssen unter die Haube gebracht und manchmal auch gegen allzu stürmische Liebhaber verteidigt werden. Die italienischen Mamas leben ihren Beschützerinstinkt leidenschaftlich aus und kämpfen notfalls wie Löwinnen für das Wohl ihrer Kinder.
Was sich auf der Bühne abspielt, gleicht einem Rausch der Sinne. Die Zuschauer sind begeistert und werden Zeugen des prallen, verwirrenden Lebens. Vor ihnen öffnet sich eine bunte, schrille Welt, die fasziniert und betört. Das Stück lebt durch die hervorragend dargebotenen Charaktere, die hingebungsvoll von den Spielern verkörpert werden. Es ist köstlich, der eitlen Diva Gasparina beim Kokettieren zuzuschauen, den gestelzten Dialogen des Cavaliere zu lauschen, Zeuge der Wutausbrüche von Orsola zu werden oder mit der energischen und manchmal gefrusteten Catte zu leiden. Und dann wird doch noch ein Riesenfest gefeiert, eine Hochzeit, und alle sind glücklich.
Dabei verlief die Premiere nicht ohne Hindernisse, denn kurz nach Spielbeginn öffnete der Himmel seine Schleusen, obwohl gerade noch die Sonne hinter den Wolken hervorgeblitzte hatte und ein bunter Regenbogen zu sehen war. Doch vom Publikum dachte niemand daran, den Schauplatz zu verlassen. Viel zu fasziniert waren die Zuschauer vom munteren Treiben auf der Bühne. Geschützt von bereitgestellten Regenumhängen ließen sie sich die Freude am Spiel nicht verderben. Auch die Schauspieler zeigten sich "wasserfest". Unbeeindruckt von dem Nass spielten sie sich äußerst professionell und diszipliniert mit viel Freude und feurigem Temperament in die Herzen der Zuschauer und lebten ihre Rollen leidenschaftlich. Sie schöpften aus dem Vollen ihres Könnens und fühlten sich sichtlich wohl. Man hatte den Eindruck, dass auf der Bühne immer die Sonne schien.
Gisela Wagner.
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