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Rhein-Zeitung, Koblenz, 14.09.2007 Pflege nicht frei von Mängeln
Krankenversicherungen stellen Heimen in Region aber relativ gutes Zeugnis aus - Seniorenbeiräte: Situation besser als früher
Die Pflege in Deutschland weist sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich Mängel auf. Dies behaupten die Krankenkassen in ihrem jüngsten Pflegebericht. Wie sieht es in der Region aus?
KOBLENZ/REGION. Die stationäre und ambulante Alten- und Krankenpflege ist in unserer Region besser als im Bundesdurchschnitt, aber auch nicht frei von Mängeln. Das stellt Dr. Gundo Zieres, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) in Rheinland-Pfalz fest. Der hat im Rahmen einer bundesweiten Untersuchung auch Einrichtungen in unserer Region getestet.
"Die Mängel stellten wir bei unserer Prüfung vor allem bei Bewohnern fest, die an einem Dekubitus, einem durch Wundliegen entstandenen Druckgeschwür, litten", sagt Gundo Zieres. Aber auch bei der Ernährung treten laut MDK in Einzelfällen Probleme auf, vor allem wenn Patienten über eine Peg-Sonde mit Flüssignahrung versorgt werden.
Die Prüfer des MDK besuchen pro Jahr circa 200 der 800 Alten- und Pflegeheime im Land. Ob Häuser gut oder schlecht sind, hängt weder von deren Größe noch vom Geld ab. Zieres: "Es gibt Häuser die mit einer niedrigeren Tagespauschale eine bessere Pflege anbieten als Einrichtungen mit einer höheren."
Die Namen der geprüften Häuser darf er nicht nennen. Ein Manko, das auch hiesige Pflegeeinrichtungen kritisieren. "Die Berichte der Krankenkassen sollten öffentlich publiziert werden, und zwar so, dass sie auch der Laie versteht", fordert Franz-Josef Rünz, Geschäftsführer bei der Stiftung Bethesda St. Martin, die in Winningen das Haus am Rebenhang (44 Plätze) unterhält. Im Übrigen fühlt er sich von dem Bericht nicht angesprochen.
Auch bei anderen Pflegeeinrichtungen stößt die Kritik des MDK auf Verwunderung. "Eine Unterversorgung beispielsweise im Bereich der Ernährung ist für unsere Häuser, die seit Jahren ein eigenes Qualitätsmanagement haben, undenkbar", versichert Burkhard Nauroth vom Vorstand der Caritas-Trägergesellschaft Trier. Sie unterhält unter anderem das Altenheim Maria vom Siege in Koblenz-Wallersheim (111 Plätze) und das Seniorenheim St. Josef in Vallendar (115 Plätze). Ähnlich sieht dies sein Kollege von der Arbeiterwohlfahrt. "Wir haben seit längerem neben den externen Prüfungen auch ein eigenes Prüfungssystem, deshalb sind die im Deutschlandbericht der Krankenkassen angesprochenen Mängel für uns kein Thema", sagt Harald Becker, Leiter der Stabsstelle Qualitätsmanagement beim AWO-Bezirksverband, Träger des Alten- und Pflegeheims der AWO in der Koblenzer Laubach (119 Plätze) und des Altenzentrums der AWO in Bendorf (125 Plätze).
Für wie viele Heimbewohner eine Pflegekraft innerhalb der Altenpflege zuständig ist, ist genau festgelegt. "Das Verhältnis ist abhängig von den jeweiligen Pflegestufen, in die die Bewohner eingestuft sind. Ein Bewohner der Pflegestufe drei benötigt natürlich mehr Aufmerksamkeit als ein Bewohner der Pflegestufe null", sagt Carlos Schneider, Heimleiter des Seniorenpflegeheims Bodelschwingh auf der Koblenzer Karthause, wo bei 108 Plätzen zurzeit 36 Pfleger beschäftigt sind. Schwierigkeiten, neue Pflegekräfte einzustellen, wenn beispielsweise plötzlich sehr viele Bewohner höher eingestuft würden, hat er nicht. "Es gibt genügend Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt", so Schmidt.
Generell gute Zensuren bekommen die Alten- und Pflegeheime bei uns von den Vorsitzenden der Seniorenbeiräte. "Die Situation in Koblenz hat sich sehr verbessert, ich habe bei unseren Besuchen ein gutes Gefühl", meint Hans Steffens, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt. Das bestätigt Edmund Brück, Vorsitzender des Seniorenbeirates des Kreises Mayen-Koblenz. "Allerdings kommen wir auch nie unangemeldet", stellt er fest.
Überwacht werden die Pflegeheime von der Heimaufsicht des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV). Die Prüfer kommen meist unangemeldet. Wie häufig das geschieht, hängt auch von den Besuchen des MDK ab. "Grundsätzlich wollen wir einmal pro Jahr die Heime begehen, die der MDK nicht besucht hat", sagt LSJV-Sprecher Matthias Bloch. Das Landesamt beanstandete in der Vergangenheit vor allem bauliche Mängel an den hiesigen Altenheimen. Hier konnte laut Bloch erreicht werden, dass sich "die Wohnqualität für die Bewohner wesentlich verbessert" hat. Noch nie seien in der Region aber solch gravierende Missstände festgestellt worden, die fast zur Schließung eines Heimes geführt hätten.
(pka)
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