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Rhein-Hunsrück-Zeitung, 17.07.2008

Gut trainiert den Job meistern

Integrationsfirma Best der Bopparder Stiftung Bethesda qualifiziert Langzeitarbeitslose - Aber nicht jeder ist zur Arbeit fähig

Der Arbeitsmarkt boomt. Aber nicht jeder, der arbeiten will, bekommt einen Job. Eine Behinderung oder gesundheitliche Einschränkung ist häufig ein Hinderungsgrund. Um solche Personen kümmert sich die Stiftung Bethesda in Boppard.

BOPPARD. Egon Fischbach hat endlich einen festen Job. Seit 1. April arbeitet der gelernte Bäcker und ausgebildete Koch in der Küche der Rheinwerkstatt in Boppard. Dass der 51-Jährige nach Krankheit und langer Phase der Arbeitslosigkeit endlich wieder einer unbefristeten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen kann, hat er der Integrationsfirma Best, einem Unternehmen der Bopparder Stiftung Bethesda-St. Martin, zu verdanken. Zwölf Wochen lang konnte Fischbach sich und anderen beweisen, dass er ein Leben mit regelmäßiger Arbeit meistern kann, dass er leistungs- und teamfähig ist.

Zwölf Wochen dauerte die Maßnahme "Training und Qualifizierung für Menschen mit Schwerbehinderung" (TQS). Das Gemeinschaftsprojekt von Arge und Firma Best erfuhr im Frühjahr seine zweite Auflage. Die Argen Koblenz und Rhein-Hunsrück benannten dem Integrationsunternehmen 30 Personen, die Hartz IV beziehen und unter einer Behinderung leiden oder gesundheitlich eingeschränkt sind. Best wählte 16 Personen aus. Bei der Auswahl wurden die Wünsche und Fähigkeiten jedes einzelnen ebenso berücksichtigt wie die persönliche Situation und die Einsatzmöglichkeiten bei Best.

Die elf Männer und fünf Frauen, von denen sechs keine Berufsausbildung vorweisen konnten, kamen in der Verwaltung, in der Hauswirtschaft, in der Tischlerei sowie in den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Einzelhandel, Hausreinigung und Haustechnik zum Einsatz.

Für Egon Fischbach stellte sich schnell heraus, dass das Kochen sein Metier ist. "Es war schon in der ersten Woche klar, dass er bei uns nahtlos an sein Wissen und Können anknüpfen kann", sagt Agnes Sauer, pädagogische Leiterin der Rheinwerkstatt. Für ihn selbst war es am Anfang keineswegs klar, dass beim Job in der Bopparder Rheinwerkstatt alles so gut passt. Krankheit und persönliche Schicksalsschläge hatten ihn doch arg aus der Bahn geworfen.

In der Rheinwerkstatt der Stiftung Bethesda blüht Egon Fischbach förmlich auf. Dabei kann er auch mit sozialer Kompetenz punkten. "Es geht ja nicht bloß ums Kochen, sondern auch um den Mitmenschen", sagt Andrea Kirchner, Betriebssozialarbeiterin bei Best. Sechs seiner acht Kollegen in der Küche sind psychisch behindert.

Das TQS-Projekt förderte aber auch die Erkenntnis zutage, dass viele Langzeitarbeitslose gar nicht in der Lage sind, eine reguläre Beschäftigung aufzunehmen. So haben es nur vier der 16 TQS-Teilnehmer geschafft, sich für einen Job zu qualifizieren.

Egon Fischbach hat es geschafft. Jetzt hat er alle Hände voll zu tun. Über 100 Mahlzeiten muss das Küchenteam täglich zubereiten. Die große Stunde für ihn schlägt aber beim Kuchenbacken. Es ist wahrlich ein Glücksfall, wenn der Koch auch Bäcker ist.

Wolfgang Wendling

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