Rhein-Hunsrück-Zeitung,
20.09.2008Bethesda holt das Beste aus den Äpfeln
Bopparder Stiftung besinnt sich auf eine alte Tradition und presst Saft
Neben Senf aus mittelrheinischen Rieslingreben, Rapsöl von den Hunsrückhöhen und Gemüse und Kräutern aus dem Klostergarten der Stiftung Bethesa St. Martin aus Boppard hat die Werkstatt für Behinderte ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt. Mit selbst produziertem Apfelsaft von heimischen Streuobstwiesen steigt die Einrichtung ins Geschäft.
BOPPARD. Die Perle am Mittelrhein glänzt nicht nur mit Tourismus, Weinbergen, sondern hat noch mehr zu bieten. Ein großer Bestand an Streuobstwiesen lässt Jahr für Jahr tonnenweise Obst heranreifen. Doch was passiert mit dem Obst?
Bislang haben Nebenerwerbsbauern oder Privatleute ihr Obst eingesammelt, selbst verbraucht oder es vergammelte auf den Wiesen. "Saft aus der Region trinken" ist die Devise der Stiftung Betheda. Nach Schulung und fachkundiger Beratung wird die Lieferpalette der Einrichtung um ein weiteres Naturprodukt ergänzt. Heimische Äpfel und Birnen von Streuobstwiesen werden zu Saft verarbeitet. Damit will die Einrichtung in Boppard wieder an eine alte Tradition anknüpfen. "Lange ist es her, dass Apfelsaft in Boppard gepresst wurde. Hier bietet sich eine Chance für die Zukunft", so die Beteiligten.
"Damit ist ein sinnvolles weiteres Arbeitsangebot für unsere behinderten Mitarbeiter geschaffen worden. Bereits die positive Resonanz nach der Ankündigung lässt hoffen. Tonnenweise Obst ist bereits avisiert," erklärt Geschäftsführer Werner Bleidt bei der offiziellen Präsentation der Saftanlage. Die grüne Saftpresse wurde gebraucht gekauft. Ideengeber Rudolf Stumm, der das Projekt gemeinsam mit dem technischen Leiter Rudolf Hammes vorbereitet hat, wird das Projekt auch weiterhin betreuen. Sein Wissen, insbesondere beim Pressvorgang, wird er an die Mitarbeiter vermitteln.
Bürgermeister Walter Bersch erinnert an die Wildschweinplage vor elf Jahren. Ideale Bedingungen fanden die Schwarzkittel vor, weil auf den traditionellen landwirtschaftlichen Grundstücken kein Obst mehr gepflückt wurde.
"Das ökologische Gleichgewicht war aus dem Ruder geraten. Die Kulturlandschaft, die von Menschenhand verändert wurde, litt. Aber durch das Sammeln der Äpfel und deren Weiterverarbeitung zu Saft kommt die Natur wieder zu ihrem Vorteil," ist Bersch zuversichtlich. Säckeweise Äpfel anliefern und bei der Verarbeitung zuschauen ist für Boppard sicherlich ein Gewinn. Es gibt zwei unterschiedliche Möglichkeiten bei der Vergütung: Für 100 Kilogramm Apfelanlieferung gibt es 18 Liter naturtrüben Apfelsaft. Nur das Pfandgeld muss bei Abholung bezahlt werden. Wer eine ausreichende Menge (ab 1200 Kilogramm) Äpfel anliefert, kann diese im Lohnverfahren gleich verarbeiten lassen.
Suzanne Breitbach
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