Rhein-Hunsrück-Zeitung, 15.11.2008
Mit Training zurück ins Berufsleben
Das Bopparder Integrationsunternehmen Best qualifiziert in Zusammenarbeit mit der Arge und Firmen aus der Region Hartz-IV-Empfänger
" Hartz IV" - das Kunstwort hat keinen guten Klang. Wer auf das finanzielle Existenzminimum angewiesen ist, gilt in unserer Arbeitsgesellschaft häufig als gescheitert. Doch die meisten Bezieher von ALG II würden liebend gerne arbeiten, wenn man sie nur ließe. Den Beweis dafür liefert die Bopparder Stiftung Bethesda.
BOPPARD. Seit nunmehr neun Monaten besteht bei der gemeinnützigen Firma Best in Boppard ein Trainingscenter (TC). Dort machen Mitarbeiter des Integrationsunternehmens der Stiftung Bethesda-St. Martin Hartz-IV-Bezieher fit für den Arbeitsmarkt. Mit Erfolg, wie die erste Bilanz zeigt.
72 Personen nahmen teil
Die 16 Plätze im Trainings-center sind seit dem 11. Februar stets besetzt. Bis heute wurden 74 Personen qualifiziert, 46 Männer und 28 Frauen. 27 von ihnen waren jünger als 25 Jahre. 15 Personen konnten während oder nach dem Aufenthalt im Trainings-center ein Arbeitsverhältnis aufnehmen. 29 Personen haben berufliche Fertigkeiten erworben, die ihnen einen Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern. So machten 21 Personen während des Aufenthaltes im Trainingscenter die Fahrerlaubnis für einen Gabelstapler und acht Teilnehmer erhielten die für eine Arbeit in der Gastronomie notwendige Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz. Lagerwesen und Gastronomie gehören zu den Berufszweigen, auf die sich das Trainingscenter spezialisiert hat. Weitere Tätigkeitsfelder sind Garten- und Landschaftsbau, Verkauf, Bürokommunikation und EDV. "Uns geht es darum, Bewerberchancen von ALG-II-Empfängern zu verbessern mit dem Ziel, in enger Zusammenarbeit mit der Arge eine Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erreichen", sagt Erich Weber, sozialpädagogische Fachkraft im Trainingscenter.
Die Arge Rhein-Hunsrück hat das TC nach einer Ausschreibung an die Firma Best vergeben. Jetzt, neun Monate und 74 Qualifizierungen später, weiß Arge-Geschäftsführer Andreas Lemens, dass die Entscheidung richtig war. Er lobt die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Best, Arge und den Arbeitgebern der Region. "Wir können Menschen, die Defizite aufweisen, durch das Trainingscenter berufliche Perspektiven bieten", sagt Lemens und verweist dabei auch auf die Betriebszweige von Best. Ob Wäscherei, Hauswirtschaft, Gebäudereinigung, Tischlerei, Garten- und Landschaftsbau oder Verkaufstätigkeit am Kiosk - das Integrationsunternehmen steht mit einer Reihe von Berufsfeldern mitten in der Arbeitswelt. Denn neben theoretischen Kenntnissen und dem gezielten Bewerbercoaching, das im Trainingscenter eine große Rolle spielt, steht die praktische Arbeit im Zentrum des Geschehens während des Aufenthaltes im Trainingscenter, der je nach individueller Voraussetzung der Teilnehmer zwei bis maximal zwölf Wochen dauert. Die Kooperation mit zahlreichen Firmen aus der Region stellt sicher, dass die Teilnehmer am Training ein breit gefächertes Angebot für ihre Praktika haben. Während eines Kooperationspraktikums kann schon mal der "Klebeeffekt" eintreten: Die Firma stellt den Praktikanten vom Fleck weg ein.
"Wir gehen auf jeden einzelnen Teilnehmer mit einem ganz auf ihn zugeschnittenen Ablauf der Maßnahme ein", betont Job-Coach Mike Garmhausen. Der eine hat keinen Führerschein, der andere keinen Schulabschluss, wieder andere haben keine Berufsausbildung. Die einen sind schon längere Zeit arbeitslos, andere wurden durch Krankheit aus ihrem Beruf gerissen.
Von der Küche in den Kiosk
Zu ihnen gehört Roland Heddrich aus Emmelshausen. Der 55-Jährige hatte 40 Jahre lang als Koch gearbeitet. Ende 2006 erlitt er einen schweren Bandscheibenvorfall. Er konnte den Beruf nicht mehr ausüben. Nach einem intensiven Gespräch mit Arge-Mitarbeiter Jörg Jouaux kam er Anfang Juni ins Trainingscenter. Sein Praktikum absolvierte er in einem der fünf Ki-oskbetriebe der Firma Best. Nach anfänglicher Skepsis fand er sich bei dieser Arbeit prima zurecht. "Es hat sehr gut gepasst", sagt er heute. Seit 1. November hat er einen festen Arbeitsplatz im Best-Kiosk in Lahnstein.
Wolfgang Wendling
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