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Rhein-Zeitung, Ausgabe Koblenz, 04.03.2009

Rat und Hilfe bei psychischen Problemen

Kontakt- und Informationsstelle in der Bogenstraße 53a: Wer in einer Krise ist oder jemanden zum Reden braucht, ist hier immer willkommen

"Wenn ich von unserer Einrichtung erzähle, sagen mir viele, dass sie noch nie von uns gehört haben", bedauert Silke Müntnich von der Kontakt- und Informationsstelle (KIS) in der Bogenstraße. Menschen mit psychischen Krankheiten und Problemen finden hier eine Anlaufstelle.

KOBLENZ. Unter dem Dach der Stiftung Bethesda-St. Martin gibt es in Koblenz (Bogenstraße 53a, Goldgrube) verschiedene Angebote für psychisch kranke Menschen, unter anderem sogenannte offene Hilfen für Menschen, die selbstständig wohnen, aber ein wenig Unterstützung zum Beispiel bei Behördengängen oder ihrer Haushaltführung benötigen, und eine Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Und es gibt die KIS, die Kontakt- und Informationsstelle, "als niedrigschwelliges Angebot" im gemeindepsychiatrischen Versorgungsnetz der Region, wie Silke Müntnich erklärt. Denn bei der KIS anrufen oder einfach zu den Café-Treffs montags von 14.30 bis 18 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr gehen, kann jeder, der Hilfe sucht. Als "Verteiler" sieht sich die Sozialpädagogin Silke Müntnich sozusagen und skizziert zwei Beispiele, um die Bandbreite aufzuzeigen: Da ist der Mann, dessen Frau sich vor einiger Zeit von ihm getrennt hat und der einfach nicht mehr gut klarkommt. Er ist antriebslos, seine Wohnung vermüllt zusehends. Aus dem Bekanntenkreis hat er sich mehr und mehr zurückgezogen und findet allein keinen Ausweg.

Oder die Frau, die zurzeit noch in der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach ist. Diagnose: schizophrene Psychose. Sie weiß nicht genau, wie es weitergehen soll, hat ihre Arbeit verloren und muss ihr Leben neu sortieren.

"Im Idealfall rufen die Menschen bei uns an, und wir vereinbaren einen Beratungstermin", sagt Silke Müntnich. Zwar ist die KIS nicht für alles zuständig, aber sie weiß im Zweifelsfall, wer helfen kann. Ungefähr 60 Gespräche hat die 30-Jährige im vergangenen Jahr geführt, betroffen sind etwa gleich viele Frauen wie Männer, obwohl es vor einigen Jahren noch überwiegend Männer waren. Und die Koblenzerin ist außerdem bei den Café-Terminen anwesend. "Manche kommen her, um einfach ein bisschen zu erzählen und Kniffel zu spielen, aber manche nutzen die Gelegenheit auch, um mir ihre Situation zu schildern oder sich Rat einzuholen."

Ein fester Stamm ist bei den Café-Treffs anwesend, aber immer wieder kommen auch neue dazu. "Und es gibt einige echte Freundschaften, die sich hier entwickelt haben, Leute, die auch außerhalb der KIS regelmäßig zusammen spazieren oder Pizza essen gehen", erzählt Müntnich. Nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Gruppen ist die KIS ein wichtiger Unterstützungsfaktor geworden - aus zwei Gründen: Erstens hat die KIS rund 250 Adressen und Ansprechpartner von Hilfsorganisationen, Dachverbänden und Selbsthilfegruppen aller Art und kann so Menschen, die Hilfe suchen, schnell Ansprechpartner vermitteln. Und zweitens stellt die KIS für Selbsthilfegruppen kostenlos einen Raum zur Verfügung und unterstützt auf Wunsch beim Aufbau neuer Gruppen, zum Beispiel auch der Selbsthilfegruppe "Wolkenschieber", einem Gesprächskreis für Menschen, die an Borderline und selbstverletzendem Verhalten leiden (Kontakt: Jason Minnemann, Telefon 0261/988 84 99) oder der neuen "Selbsthilfegruppe für psychisch Erkrankte", die ab Februar donnerstags von 18 bis 20 Uhr tagt (Kontakt: Telefon 0261/921 66 31).

Die KIS ist nicht nur Anlaufstelle für Betroffene, sondern auch für Angehörige. Und natürlich ist die Hilfe kostenlos, das wird Silke Müntnich immer wieder gefragt. In der Regel werden die Kosten beispielsweise für die Tagesstätte oder die offenen Hilfen auf Antrag von der Stadt Koblenz beziehungsweise dem Kreis übernommen. Diese Stellen beteiligen sich auch an den Personalkosten der KIS.

Doris Schneider

Kontakt: Kontakt- und Informationsstelle für den psychosozialen Bereich (KIS), Gemeindepsychiatrisches Zentrum Koblenz/Mayen-Koblenz, Bethesda-St. Martin gGmbH, Silke Müntnich, Telefon 0261/921 66 31

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