Rhein-Hunsrück-Zeitung, 14.03.2009
In Netzwerken psychisch Kranken helfen
Stiftung Bethesda veranstaltete Fachtagung zu Wirkungsweisen und Risiken von Neuroleptika
BOPPARD. Wie wirken Neuroleptika auf den menschlichen Organismus? Welche Wirkung erzielen sie bei psychisch erkrankten Menschen - und welche enormen Risiken sind mir ihrem Einsatz in Behandlung und Betreuung von Menschen mit Psychosen verbunden? Dr. Volkmar Aderholt vom Institut für Sozialpsychiatrie der Universität Greifswald gab Antworten. Der Einladung zur Fachtagung der Stiftung Bethesda- St. Martin waren fast 300 Personen gefolgt, darunter viele Fachleute aus dem sozialpsychiatrischen Arbeitsfeld. Aber es waren auch viele psychiatrieerfahrene Menschen und auch Angehörige gekommen, die dieses Thema hautnah betrifft.
Über das große Interesse an der Tagung freute sich in seiner Begrüßung Werner Bleidt, Geschäftsführer Bethesda-St. Martin gGmbH. Er stimmte das Publikum auf die Brisanz des Themas ein. Als Trägerin zahlreicher Betreuungseinrichtungen für psychisch erkrankte Menschen in der Arbeit mit über 500 Klienten sieht sich die Stiftung Bethesda in der Gefahr, dass ihre Arbeit durch zweifelhafte medizinische Indikationen dominiert wird. Genug Anlass für eine solche Fachtagung, bis dato die erste zum Thema.
Schwerpunkt der Forschungen Aderholts sind zunächst die Wirkungsweisen von Neuroleptika. Aderholt referierte Untersuchungen, wonach die regelmäßige und längerfristige Einnahme von Neuroleptika die individuelle Gehirnleistung dieser Patienten verschlechtern. Die erfolgreiche Behandlung von Psychosen verlange ein schlüssiges Therapiekonzept.
Im Podium diskutierten anschließend unter der Moderation von Werner Bleidt neben Dr. Aderholt, Dr. Stefan Elsner, ärztlicher Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF), Wolfgang Kluck vom Landesverband Psychiatrieerfahrener, Dr. Julia Kuschnereit, Referatsleiterin Psychiatrie und Maßregelvollzug im Mainzer Sozialministerium, sowie Monika Zindorf, die Vorsitzende des Landesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker.
Für Wolfgang Kluck muss das Ziel darin liegen, die Selbsthilfekräfte der Betroffenen zu stärken. Auch nach Ansicht von Monika Zindorf liegt noch viel Arbeit auf dem Weg zu einer stärkeren Eigenverantwortung der Betroffenen. "Oftmals," so Zindorf, "wird diese durch fehlende Krankheitseinsicht behindert". Moderator Werner Bleidt sieht nach über 25jähriger Tätigkeit im sozialpsychiatrischen Arbeitsfeld bei der Brisanz dieses Themas die Verantwortung auch gerade bei der Politik.
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