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Rhein-Hunsrück-Zeitung, 12.10.2009

Psychisch Kranke fordern Recht auf Teilhabe ein

Stiftung Bethesda-St. Martin war Ausrichter einer Tagung mit 120 Teilnehmern: "Der Weg aus dem Heim - aber wie?"

BOPPARD. "Der Weg aus dem Heim - aber wie?" Etwa 120 psychisch kranke und behinderte Menschen, Angehörige, Mitarbeiter von Ämtern und Behörden, Vertreter von Kosten- und Leistungsträgern trafen sich in der Stadthalle Boppard, um gemeinsam über dieses Thema zu diskutieren, das viele unmittelbar betrifft.

Immerhin leben 11 000 Menschen mit Behinderungen in rheinland-pfälzischen Heimen, davon 3500 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen. Weitere 1500 psychisch kranke und behinderte Menschen werden ambulant betreut - sie können weiterhin - mit entsprechender individueller Unterstützung - in ihrer gewünschten Umgebung bleiben.

Der "Verein zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz e.V." unter dem Vorsitz der Gattin des Ministerpräsidenten, Roswitha Beck, und der Landesverband Psychiatrie-Erfahrener verstehen sich als Anwälte einer in der Gesellschaft oft ausgegrenzten Klientel. Diese soll nun mit einer Veranstaltungsreihe im ganzen Land angesprochen werden. In Boppard bot sich als Ausrichter die Stiftung Bethesda-St. Martin an, die als wichtiger Leistungsanbieter und Partner psychisch kranker Menschen im nördlichen Rheinland-Pfalz fungiert.

Fachleute, sowohl ehrenamtliche als auch hauptberuflich Tätige, machten unter anderem auf dem Podium deutlich: In unserem Land mangelt es nicht an gesetzlichen Bestimmungen und Regeln, die alle dem Anspruch und der Umsetzung von "ambulant vor stationär", der Selbstbestimmung und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dienen sollen. Die Vielfalt der gesetzlichen Vorgaben müssen aber unbedingt zusammengeführt und dem Einzelnen nutzbar gemacht werden. Das scheint nicht immer zu gelingen. Viele Ressourcen - auch finanzieller Art - werden so oft schon verbraucht, bevor sie überhaupt beim "Verbraucher" ankommen.

Werner Bleidt, Geschäftsführer der Behindertenhilfe der Stiftung Bethesda-St.Martin, hatte in seinen Eingangsworten Hindernisse einer Verselbstständigung und Selbstbestimmung genannt: mangelnde Arbeitsmöglichkeiten, ein großes Armutsrisiko, komplizierte Rahmenbedingungen in der Betreuungsarbeit. Genau diese Punkte stießen bei den Anwesenden auf große Resonanz und wurden in Arbeitsgruppen reichlich diskutiert und eindrucksvoll bestätigt.

Die Vorstellung von Zahlen und Fakten aus der Betreuungsarbeit stellten ebenfalls sehr beeindruckend die Wirklichkeit im psychiatrischen Alltag dar, zeigten die Vielfalt der Entwicklungsmöglichkeiten und auch -grenzen auf. Viele Betroffene machten selbst deutlich: Wir wollen uns nicht im "psychiatrischen Dschungel" verlieren, sondern unser Recht auf Teilhabe trotz und mit unserer Behinderung in Anspruch nehmen.

Staatssekretär a. D. Dr. Richard Auernheimer, Geschäftsführer des Vereins für Gemeindenahe Psychiatrie e.V., versicherte in seinem Schlusswort, dass man sich weiterhin an der Umsetzung des Anspruchs auf Teilhabe aller psychisch kranken Menschen mitwirken will.

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