Rhein-Hunsrück-Zeitung, 09.11.2009
Rolf Stahl wird neuer Superintendent
Kreissynode wählt Lützeler Pfarrer zum Nachfolger von Dr. Markus Dröge - 47-Jähriger ist auch in der Stiftung Bethesda St. Martin in Boppard aktiv
86 000 Protestanten gehören zum Evangelischen Kirchenkreis Koblenz, der sich von der Ahr den Mittelrhein entlang bis zur Mosel, in die Eifel und den Hunsrück erstreckt und damit der zweitgrößte der rheinischen Landeskirche ist. In Polch kamen die Vertreter der 25 Kirchengemeinden zusammen, um einen neuen Superintendenten zu wählen.
POLCH. Rolf Stahl wird der neue Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz. Die Kreissynode wählte in Polch den 47-jährigen Pfarrer der Kirchengemeinde Koblenz-Lützel zum Nachfolger von Dr. Markus Dröge, der seit fünf Jahren an der Spitze des Kirchenkreises stand und in der kommenden Woche neuer Bischof in Berlin wird.
Rolf Stahl setzte sich bei der Synode im zweiten Wahlgang mit 74 Stimmen gegen den derzeitigen Skriba des Kirchenkreises durch, Pfarrer Dr. Rainer Möller (Winningen), der 41 Stimmen erhielt. Im ersten Wahlgang, bei dem vier Kandidaten antraten, hatte der Lützeler Pfarrer die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt. Rolf Stahl, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, ist seit vielen Jahren im Kirchenkreis Koblenz verankert. Seit 1991 ist er Pfarrer in Lützel, er ist im Vorstand des Gemeindeverbandes Koblenz, im Diakonieausschuss des Kirchenkreises sowie im Stiftungsrat und Vorstand der Stiftung Bethesda St. Martin in Boppard. Daneben engagiert er sich in der Versöhnungs- und Begegnungsarbeit mit Osteuropa.
"Ich weiß, dass ich in große Fußstapfen trete, aber ich will den von Markus Dröge begonnenen Weg weiter fortsetzen", so der künftige Superintendent, der am 20. Dezember in sein Amt eingeführt wird. Er kündigte an, den vor vier Jahren im Kirchenkreis begonnenen Sparprozess fortzuführen. "Mir ist Kontinuität wichtig", so Rolf Stahl.
In seiner Vorstellungsrede vor den rund 120 Synodalen hatte er betont, dass er für eine gastfreundliche offene Kirche stehe, die sich ihrer Grundlagen bewusst sei und in der die Diakonie eine wichtige Aufgabe wahrnehme. Dass eine professionelle diakonische Arbeit stärker die evangelische Kirche prägen muss, betonte auch der scheidende Superintendent Dröge in seinem Bericht vor der Kreissynode. "In einer säkularen Umwelt wird dieses Engagement für das Profil der Kirche zunehmend wichtig werden", meinte er und appellierte an die Synodalen, die Bedürfnisse von Menschen, die Unterstützung brauchen, nicht außer Acht zu lassen.
Er bekannte sich zu den Spar-Entscheidungen, die 2005 angesichts der demografischen Entwicklung und der rückläufigen Kirchenfinanzen getroffen wurden. "Wir stehen im Moment gut da, was unsere Sparziele angeht. Es bleibt aber dabei: Wir müssen uns in der Kirche auf finanziell noch engere Zeiten einstellen", betonte Markus Dröge. Und er gab den Synodalen mit auf den Weg: "Was zunächst unmöglich schien, das geht dann doch. Wunder ausprobieren, und auf den Gott vertrauen, der Unmögliches möglich macht. Das ist der beste Weg, durch krisenhafte Zeiten hindurch zu kommen."
Leider müsse der Kirchenkreis Abschied nehmen von Markus Dröge, bedauerte seine Stellvertreterin Pfarrerin Birgit Becker (Koblenz) beim Abschluss der Synode. "Prozesse solidarisch gestalten und die Menschen dabei mitnehmen, das war ihm wichtig", meinte sie und betonte: "Er hat Vieles und viele bewegt."
Dieter Junker
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