Rhein-Zeitung, 10.12.2009
Kleine Schritte in die Arbeitswelt
Neue Werkstatt für psychisch beeinträchtigte Menschen aus dem "Haus Alexander" in Bad Neuenahr-Ahrweiler eingeweiht
Einer Arbeit nachzugehen, ist für psychisch beeinträchtigte Menschen eine Herausforderung. Klein anfangen zu können, ist für sie wichtig.
KREISSTADT/KREIS AHRWEILER. "Modul Arbeit" heißt ein neues Angebot für die Menschen aus der Wohn- und Wiedereingliederungseinrichtung für psychisch beeinträchtigte Erwachsene "Haus Alexander" in der Hochstraße 29 in Bad Neuenahr, dessen Träger die gemeinnützige Bethesda-St. Martin GmbH ist. In einem umgebauten ehemaligen Sonnenstudio in der Max-Planck-Straße 22 stellen sich die Bewohner der Aufgabe, Waren zu verpacken, zu montieren oder zu konfektionieren. Bei der Einweihung ihrer neuen Werkstatt mit Vertretern der Kreisverwaltung herrschte schon rege Betriebsamkeit, denn es galt, Kokosballen für die Sämlingsanzucht abzupacken.
Der Schritt zurück in die Arbeitswelt ist für viele psychisch beeinträchtige Menschen so groß, dass er auf Anhieb kaum zu schaffen ist. Selbst in einer Werkstatt für Behinderte verlangt das, einen Acht-Stunden-Tag durchhalten zu können. In der beschützten Werkstatt werden sie auf diese Anforderungen vorbereitet. Es gab nach Auskunft des Einrichtungsleiter Bernd Kretschmann zwar auch schon vorher Räume für die Arbeitstherapie im "Haus Alexander", aber es sei für die Bewertung ihrer Beschäftigung wichtig, dass die Menschen ihr Wohnumfeld verlassen, um ihren Arbeitsplatz aufzusuchen.
52 Erwachsene mit unterschiedlichen Krankheitsbildern werden im "Haus Alexander" betreut. Ziel ist es, ihnen eine Heimat zu bieten, in der sie ein hohes Maß an Selbstständigkeit leben können. Viele Bewohner haben im Verlauf ihrer Krankheitsgeschichte ihre sozialen Bindungen, Wertvorstellungen und Fertigkeiten verloren, die Halt geben. Sie sind ohne eigene Wohnung und weder in Familie noch soziale Beziehungen eingebunden. Das Thema Arbeit nimmt im Betreuungskonzept der Einrichtung eine besondere Rolle ein, denn sie stützt das Selbstwertgefühl, ordnet den Tag, stiftet Identität und wirkt einer sozialen Isolation entgegen. Die Bedingungen im "Modul Arbeit" machen es möglich, Menschen auch auf niedrigem Niveau mitzunehmen. Es gibt individuell angepasste Arbeitszeiten und Pausenregelungen sowie Ruhezimmer.
255 Quadratmeter stehen in der Max-Planck-Straße ebenerdig zur Verfügung. Bis zu 15 Menschen können hier gleichzeitig arbeiten. Den kirchlichen Segen erhielten die Räume von Pfarrerin Regina Meinhof. (bea)
Weitere Informationen gibt es bei Bernd Kretschmann, Telefon 02641/947 88 31.
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