Rhein-Hunsrück-Zeitung,
02.09.2010
Vereint im Kampf gegen Depression
Hunsrück-Klinik, Stiftung Bethesda und Mittelrhein-Klinik starten Aufklärungskampagne über psychische Erkrankungen
Den Schulterschluss im Kampf gegen Depressionen üben drei Einrichtungen im Kreis. Sie wollen aufklären, informieren und sensibilisieren.
Rhein-Hunsrück. Psychische Erkrankungen sind in Deutschland mittlerweile die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Tendenz: rasant steigend. Eine besondere Rolle spielt dabei die Depression – sie ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Ihr haben nun drei Einrichtungen im Kreisgebiet den Kampf angesagt. Die Simmerner Hunsrück-Klinik, die Mittelrhein-Klinik in St. Goar und die Bopparder Stiftung Bethesda-St. Martin üben dabei den Schulterschluss. Mit gemeinsamen Aufklärungsaktionen wollen sie gegen die „Volkskrankheit, über die man nicht spricht“ (so ein Betroffener) angehen.
„Wir haben uns zusammengeschlossen und werden versuchen, verschiedene Stellen aufzuklären und zu informieren, damit sie für das Thema sensibilisiert werden“, erläutert Dr. Winfried Oberhausen, Chefarzt der Simmerner Psychiatrie. Gedacht ist dabei unter anderem an die Zusammenarbeit mit Schulen oder den Polizeiinspektionen, denn Lehrer und Polizisten kämpfen in solchen Fällen oft an vorderster Front. Depressionen sind nämlich auch die Hauptursache für Selbstmorde. In Deutschland wählen jährlich mehr als 9000 Menschen den Freitod, das sind mehr als durch Straßenverkehr, Drogen, Aids oder Mord zusammen. Statistisch gesehen, nehmen sich im Rhein-Hunsrück-Kreis jährlich 12 bis 14 Menschen das Leben, genauere Aufzeichnungen darüber gibt es nicht. Damit liegt der Kreis im Landesschnitt.
Die Zahl der Suizidversuche ist weitaus höher. Auch hier lautet oft die Ursache: Depression. Oft sind junge Leute betroffen, deshalb planen Hunsrück-Klinik, Mittelrhein-Klinik und Stiftung Bethesda Aufklärungsveranstaltungen am Bopparder Kant-Gymnasium sowie an der Kastellauner IGS. Dabei haben sie vor allem die Lehrer im Blick, denn sie sind täglich ganz nah dran an den Schülern und bekommen Stimmungsschwankungen und Leistungsverluste direkt mit.
Eine besondere Rolle beim Erkennen der psychischen Erkrankungen nehmen selbstverständlich die Hausärzte ein. Im Idealfall erkennen sie bereits frühzeitig, ob einer ihrer Patienten eventuell an Depressionen leidet, und können entsprechende Maßnahmen einleiten. Deshalb sollen sie im Rahmen von regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen für dieses Thema sensibilisiert werden.
Den Auftakt dazu bildet eine Fortbildungsmaßnahme am kommenden Dienstag, 7. September, 20 Uhr, in der Cafeteria der Simmerner Hunsrück-Klinik, zu der die Kreisärzteschaft eingeladen wurde. Hier werden Dr. Winfried Oberhausen und seine Kollegin Beate Schmitt über psychische Erkrankungen aufklären.
Markus Lorenz
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