Rhein-Hunsrück-Zeitung, 19.11.2010
Neue Broschüre hilft Patienten
Medizin Psychisch Kranken fehlt es oft an Beschäftigung – Studie der Bopparder Stiftung Bethesda-St. Martin
Boppard. Unter dem Titel „Verantwortung wahrnehmen“ wurde gemeinsam mit Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen und Fachleuten in der Stiftung Bethesda-St. Martin in Boppard Konsequenzen aus der Neuroleptikadebatte erörtert. Die Veranstaltung war durch die Zusammenarbeit des Vereins zur Unterstützung gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz und der Stiftung zustande gekommen. Vorträge und Ergebnisse der Fachtagung liegen jetzt in einer Dokumentation vor.
Im nördlichen Rheinland-Pfalz engagiert sich die Stiftung Bethesda-St. Martin seit vielen Jahren mit differenzierten und zeitgemäßen Konzepten gemeindenaher und klientenorientierter Hilfen für psychisch kranke und behinderte Menschen. Durchschnittlich 600 Patienten betreut die Einrichtung ambulant, teilstationär und stationär. Daneben beteiligt sich die Stiftung seit mehreren Jahren engagiert an der Diskussion über Möglichkeiten und Risiken der Psychosentherapie mit sogenannten Neuroleptika.
„So viel wie notwendig“ – davon ist Dr. Richard Auernheimer vom Einsatz der Medikamente überzeugt. Aber Medikamente allein helfen den Betroffenen nicht. „Wir brauchen Kontinuität, eine bessere Diagnostizierung, ein anderes Verhältnis zur Erkrankung. Dazu leiden die betroffenen Menschen unter einem nicht erfüllten Alltag. Ein Teufelskreis wird losgetreten.“ Darauf machte Auernheimer bei der Präsentation der Broschüre in Boppard aufmerksam.
Der Mangel an Beschäftigung wird gerade bei den psychisch Kranken deutlich, die nur schwer einen Arbeitsplatz finden können. Daran arbeitet die Stiftung Bethesda-St. Martin mit ihren gemeindepsychiatrischen Zentren (offenen Hilfen, Tagesstätten, sowie den Kontakt- und Informationsstellen für den psychosozialen Bereich), sowie Rheinwerkstatt, Wohnheime und der Firma Best, ein Integrationsunternehmen zur Beschäftigung für Menschen mit Behinderungen.
2011 will der Verein in Zusammenarbeit mit der Universität Mainz eine von der Industrie unabhängige Studie starten. Allerdings muss vorab die Finanzierung durch den Verein und andere sichergestellt sein. Dabei sollen die Chancen und Risiken beim Einsatz von Psychopharmaka und die Behandlungsgrenzen verdeutlicht werden.
Suzanne Breitbach
Interessierte haben die Möglichkeit, die Broschüre zu bestellen. Sie ist erhältlich bei der Stiftung Bethesda-St. Martin, Mainzer Straße 8, 56154 Boppard, Telefon 06742/8747 102 oder
stiftung@stiftung-bethesda.de.
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